Die meisten, die sich für ein E-Bike mit Tiefeinstieg interessieren, haben vor dem Kauf dieselben zwei Fragen. Hat der Rahmen ohne Oberrohr die gleiche Stabilität wie ein klassischer Diamantrahmen, und ist das Rad bei hohem Tempo genauso sicher?
Die Belastbarkeit eines modernen Tiefeinsteigers ist in der Regel mit der eines Diamantrahmens vergleichbar, doch im Alltag fährt er sich sogar ruhiger. Dieser Artikel erklärt genauer, wie der Rahmen ohne Oberrohr funktioniert und auf welche Werte man im Datenblatt besonders achten sollte. Als Beispiel dient das Dukawey FUGL 3.0.

Das Dukawey FUGL 3.0 mit 42 cm Überstandshöhe und einem Unterrohr, in dem der Akku sitzt.
Wie der Tiefeinsteiger das fehlende Oberrohr ausgleicht
Ein großes Unterrohr statt zwei dünner Rohre
Grundlegend wird ein Rohr überproportional steifer gegen Biegung und Verdrehung, je größer sein Durchmesser ist. Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Ingenieurwissenschaft. Eine Verdopplung des Durchmessers führt dazu, dass die Steifigkeit etwa achtmal so hoch ist. Aus diesem Grund besitzen moderne E-Bike Tiefeinsteiger ein Unterrohr, das auffällig groß ist und meist einen ovalen Querschnitt hat.
Beim FUGL 3.0 erfüllt das Unterrohr gleich zwei Aufgaben. Es trägt die standardmäßigen Rahmenkräfte und zusätzlich auch den 672-Wh-Akku. Dies wird ergänzt durch einen verstärkten Übergang am Steuerrohr, wo die Lenkkräfte wirken, sowie durch den Hinterbau, der als geschlossenes Dreieck erhalten bleibt.
Der Akku sitzt beim FUGL 3.0 im Unterrohr. Das Rohr ist dadurch groß dimensioniert und trägt die Kräfte, die sonst das Oberrohr übernimmt.
Fährt sich ein Tiefeinsteiger wirklich wackeliger?
Ob ein E-Bike ruhig geradeaus fährt und sich bei höherem Tempo sicher anfühlt, entscheiden vor allem Geometrie und Schwerpunkt, der Rahmen spielt dafür nur eine nebensächliche Rolle. Dadurch, dass beim Tiefeinsteiger der Akku im Unterrohr liegt, liegt der Schwerpunkt nah am Boden. Dank dieser Kombination bleibt das Rad in Kurven und bei Seitenwind ruhig.
Auch die weitere Geometrie des Fahrrads kann das Fahrverhalten beruhigen. Mit einem Radstand von 1.150 mm sind z.B. die Räder des FUGL 3.0 ungefähr so weit auseinander wie die eines Trekkingrads. Je länger dieser Abstand ist, desto weniger werfen kleine Lenkbewegungen und Schlaglöcher das Rad aus der Spur.
Auch der Lenkwinkel von 71 Grad beruhigt die Lenkung. Ähnlich wie bei einer Einkaufswagenrolle lässt er das Vorderrad der Lenkachse ein Stück hinterherlaufen, was bei höherem Tempo die Lenkung von selbst wieder gerade zieht. Das alles führt zu einem Geradeauslauf, der mit 25 km/h entspannt und vorhersehbar ist. Das erfordert etwas mehr Lenkeinschlag in engen Kurven, aber im Stadtverkehr ist das eher angenehm.
Langer Radstand und tiefer Schwerpunkt sorgen für ruhigen Geradeauslauf auf der Landstraße.
Bei einem gut konstruierten Rahmen merkt man also im normalen Fahrbetrieb keinen signifikanten Unterschied im Vergleich zum Diamantrahmen. Ein kräftigerer Fahrer kann im Wiegetritt am Berg mit voll beladenem Gepäckträger eventuell ein leichtes Federn wahrnehmen, welches der Rahmen aber sofort wieder ausgleicht.
Beim E-Bike ist dieser Fall jedoch selten anzutreffen, da der Motor den Wiegetritt überflüssig macht. Mit einem Heckmotor, der 65 Nm leistet, erledigt das FUGL 3.0 die Arbeit für Sie, während Sie einfach sitzen bleiben können und nicht im Stehen treten müssen.
Fährt sich ein Tiefeinsteiger schwerer?
Während der Fahrt gleicht der Motor die 29,5 kg des FUGL 3.0 aus und die aufrechte Sitzposition schont Rücken und Handgelenke auf längeren Strecken. Vom Gewicht und von Rahmenform merkt man unterwegs also nur wenig, beim Anhalten zahlt sich der Tiefeinstieg aber aus.
An der Ampel oder an der Einfahrt treten Sie einen kleinen Schritt nach vorn und stehen mit beiden Füßen flach auf dem Boden, ohne das Bein über Sattel oder Gepäckträger schwingen zu müssen. Das FUGL 3.0 hat eine Überstandshöhe von 42 cm. Ein Diamantrahmen liegt dagegen bei ca. 75 bis 80 cm. Das ist genau der Unterschied, der aus einer fast schon akrobatischen Absteigeübung ein einfaches Beinheben macht.
Mit einem Einkauf auf dem Gepäckträger oder einem Kind im Kindersitz kann das Rad schnell über 40 kg wiegen. Gerade dann zählt der sichere Stand, so lässt sich auch ein voll beladenes Rad deutlich leichter ausbalancieren.
Der Durchstieg des FUGL 3.0 liegt mit 42 cm gut 35 cm tiefer als das Oberrohr eines Diamantrahmens.
Maximale Belastung eines Tiefeinsteigers
Die Prüfung ist für alle Rahmenformen gleich
Jedes E-Bike, welches in der EU verkauft wird, muss die Anforderungen der Norm "EN 15194" erfüllen. Die Norm unterscheidet dabei nicht nach Rahmenform, weswegen ein Tiefeinsteiger dieselben Prüfungen bestehen muss wie ein Diamantrahmen.
Gesamtgewicht und Zuladung
Beim FUGL 3.0 nennt Dukawey 180 kg maximale Belastung. Zieht man das Radgewicht von 29,5 kg ab, bleiben also rund 150 kg für Fahrer und Gepäck. Der Gepäckträger ist laut Datenblatt für 50 kg ausgelegt. Dementsprechend bleiben viele Reserven für volle Packtaschen und anderweitige Ladung.
| Wert | Dukawey FUGL 3.0 (Tiefeinsteiger) | Typisches E-City-Bike |
|---|---|---|
| Maximale Belastung laut Datenblatt | 180 kg | 120 bis 150 kg |
| Radgewicht mit Akku | 29,5 kg | 23 bis 28 kg |
| Gepäckträger | 50 kg | 25 bis 27 kg |
| Rahmenmaterial | 6061-Aluminium | 6061-Aluminium |
| Reifenbreite | 2,5 Zoll | 1,75 bis 2,0 Zoll |
Der Gepäckträger des FUGL 3.0 ist für 50 kg freigegeben. Das reicht für Kindersitz oder zwei volle Packtaschen.
Worauf Sie beim Kauf bezüglich Stabilität achten sollten
Die Rahmenform selbst müssen Sie bei einem seriösen Hersteller nicht zwingend hinterfragen, wichtiger sind die folgenden Angaben im Datenblatt.
Belastbarkeit
Rechnen Sie Ihr Gewicht mit Gepäck und Radgewicht zusammen und lassen Sie sich 10 bis 15 kg Reserve. Beim FUGL 3.0 sind 180 kg angegeben, das reicht für praktisch jeden Fahrer mit Gepäck.
Für einen Kindersitz sollte der Gepäckträger mindestens 25 kg tragen dürfen. Die 50 kg des FUGL 3.0 sind in dieser Klasse ein sehr starker Wert.
Geometrie
Auf einen Radstand von über 1.100 mm und auf Räder mit einer Größe von 26 bis 28 Zoll sollte man achten, wenn man ein ruhiges Fahrgefühl auch bei höherem Tempo haben möchte. 20-Zoll-Falträder sind wendiger und kompakter, verlangen aber bei 25 km/h etwas mehr Aufmerksamkeit. Wer viel auf freier Strecke fährt, ist mit größeren Rädern besser bedient. Achten Sie daneben auch auf die empfohlene Körpergröße im Datenblatt, damit Sattel und Lenker in Ihren Einstellbereich fallen.
Reifen und Bremsen
Breite Reifen ab 2 Zoll tragen mehr Luftvolumen, dämpfen Kopfsteinpflaster und schonen Felgen und Speichen bei hoher Zuladung. Das FUGL 3.0 fährt auf 2,5 Zoll.
Je höher das Gesamtgewicht, desto wichtiger wird die Bremsleistung. Hydraulische Scheibenbremsen wie beim FUGL 3.0 bremsen mit weniger Handkraft und lassen sich feiner dosieren als mechanische.
Hydraulische Scheibenbremse und 2,5 Zoll breite Reifen am Vorderrad des FUGL 3.0.
Fazit: Stabil genug für fast jeden Einsatz
Die Sorge um die Stabilität stammt aus einer Zeit, in der Tiefeinsteiger dünne Stahlrohre hatten und für gemächliche Fahrten gedacht waren. Ein moderner Aluminium-Tiefeinsteiger mit großem Unterrohr, integriertem Akku und geprüfter Auslegung nach EN 15194 spielt in derselben Liga wie jeder Diamantrahmen. Das FUGL 3.0 belegt das mit 180 kg Belastbarkeit, 50 kg auf dem Träger und 1.150 mm Radstand.
Wie belastbar dieser Tiefeinsteiger im Alltag wirklich ist, hat auch die unabhängige Seite E-Bike-Ratgeber.de genauer analysiert. Die Rezension des Dukawey FUGL 3.0 ordnet die Stabilitätswerte ins Gesamtpaket ein und vergibt 4,3 von 5 Sternen.
Häufige Fragen
Ist ein E-Bike mit Tiefeinstieg weniger stabil als eines mit Diamantrahmen?
Nein. Das fehlende Oberrohr wird durch ein deutlich größeres Unterrohr ausgeglichen, und das hintere Rahmendreieck bleibt ohnehin geschlossen. Beide Rahmenformen müssen dieselben Prüfungen nach EN 15194 bestehen.
Wie viel Gewicht trägt ein Tiefeinsteiger-E-Bike?
Das steht als zulässiges Gesamtgewicht oder maximale Belastung im Datenblatt. City-E-Bikes liegen meist zwischen 120 und 150 kg. Das Dukawey FUGL 3.0 nennt 180 kg, der Gepäckträger ist für 50 kg freigegeben.
Wackelt ein Tiefeinsteiger bei hoher Geschwindigkeit?
Fahrstabilität hängt vor allem von der Geometrie und vom Schwerpunkt ab. Ein langer Radstand wie 1.150 mm beim FUGL 3.0 und der tief im Rahmen sitzende Akku sorgen für ruhigen Geradeauslauf bei 25 km/h.
Kann ich einen Kindersitz an einem Tiefeinsteiger montieren?
Ja, sofern der Gepäckträger die Freigabe hat. Die meisten Gepäckträger-Kindersitze verlangen mindestens 25 bis 27 kg Trägerlast. Mit 50 kg beim FUGL 3.0 ist das erfüllt. Das Gesamtgewicht aus Rad und Fahrer samt Kind muss unter der Belastungsgrenze bleiben.
Warum sind Tiefeinsteiger-E-Bikes schwerer als andere?
Das große Unterrohr, der darin integrierte Akku und die für hohe Zuladung ausgelegten Bauteile bringen Gewicht mit. Das FUGL 3.0 wiegt 29,5 kg mit Akku und rund 25 kg ohne. Beim Fahren gleicht der Motor das aus.
Fährt sich ein Tiefeinsteiger anders als ein normales E-Bike?
Ja, ruhiger und aufrechter. Durch den tiefen Schwerpunkt und die längere Geometrie läuft das Rad sehr stabil geradeaus.